Seit geraumer Zeit (bestimmte inzwischen länger als ein halbes Jahr) schwärmen einige Blogs von Live Mesh. Ich hab diese Schwärmerei immer wieder gelesen, aber nie so wirklich verstanden, wieso das alles so toll ist, und wie das funktioniert. Licht ins Dunkel sollte eigentlich dieses Video bringen:
Leider hat es das nicht. Es ist lediglich zu sehen, wie ein Foto gemacht wird und dieses gleichzeitig auf verschiedenen Endgeräten erscheint – oder so ähnlich.
Lange Zeit habe ich mich nicht länger damit beschäftigt, unter anderem auch deswegen, weil die Beta Version erst nur mit diversen Modifikationen von Sprache im Browser usw. erreichbar war. Nun wurde der Betatest seit der PDC aber ausgeweitet und jeder kann Live Mesh nutzen. So kam ich also nun dazu, die Möglichkeiten näher zu testen und bin begeistert.
Also… Worum geht’s? Wie das Video gezeigt hat, geht es um einen Datenabgleich. Man könnte auch sagen, es geht darum, mehrere Geräte synchron zu halten. Wird in einem Ordner des einen Endgerätes was geändert, so ändert es sich auch auf den verbundenen Endgeräten. Ist immer noch sehr abstrakt. Deswegen im Detail.
Nachdem man sich mit seiner Live ID unter www.mesh.com eingeloggt hat, ist eine Übersicht über die verknüpften Geräte zu sehen. Am Anfang sollte nur die Auswahl zwischen Live Desktop und Add Device sein. Es ist aber möglich sofort auf den Live Desktop zuzugreifen:
Richtig: Der Desktop sieht aus wie ein richtiger Windows Desktop und es können Ordner erstellt werden. Die Ordner können geöffnet und mit Dateien gefüllt werden, dabei sehen die Ordner und Dateidarstellungen genau so aus, wie das unter Windows der Fall ist.
Das ist ein Novum und so bisher noch nicht bekannt bei allen Diensten, die online Speicherplatz anbieten. Wäre das die einzige Funktion von Live Mesh, so wäre nur die Präsentation der Daten das einzig neue. Dienste für Onlinespeicher gibt es genug und Microsoft hat gerade den Speicher für seinen eigenen Dienst Live SkyDrive bei einigen Usern auf 25GB erhöht. Live Mesh ist aber mehr als das.
Über den Button Devices (wird direkt nach jedem Login geöffnet) lassen sich nun Endgeräte hinzufügen. Um ein Endgerät hinzuzufügen muss das Programm Live Mesh auf dem Endgerät installiert werden. Erhältlich ist es derzeit für Windows Vista, Windows XP und in einer Technical Preview auch für den Mac OS. Nach der Installation macht Live Mesh lediglich durch ein kleines Symbol in Taskleiste auf sich aufmerksam (abweichende Darstellung in Mac OS):
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Klein und blau und unscheinbar ist es da. Es hat sich aber noch mehr getan. Live Mesh hat sich auch in das Kontextmenü des Explorers integriert. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf einen Ordner bietet nun die zusätzliche Option “Add folder to Live Mesh”:
Und da fängt es auf einmal an, Sinn zu machen. Ich kann einen Ordner zu Live Mesh hinzufügen. Dieser Ordner wird automatisch mit meinem Live Mesh Desktop abgeglichen. Ändere ich etwas in dem Ordner, so änder es sich auch auf meinem Live Mesh Desktop. Ich brauche mich dabei um nichts kümmern, alles wird für mich von dem kleinen unscheinbaren blauen Symbol in der Taskleiste erledigt. Damit sichtbar ist, was gemacht wurde, wird für jeden Ordner, der mit Live Mesh verbunden ist, eine History geführt. Es ist möglich in dieser History selber zusätzliche Nachrichten zu hinterlassen. Das ist dann sowas wie ordnerbezogene Notizen. Diese History kann z.B. folgendermaßen aussehen:
Die History dockt sich beim Öffnen direkt an den Ordner an und so ist immer sichtbar, was passiert ist.
Nun ist es möglich, einen weiteres Endgerät zu Live Mesh hinzuzufügen. Für jeden Ordner kann eingestellt werden, mit welchem Endgerät die Daten synchronisiert werden sollen. Ideal z.B. für eine Datensynchronisation zwischen einem Desktop Rechner und einem Laptop. Auch denkbar wäre eine Synchronisation mit einem Rechner am Arbeitsplatz und dem Heimrechner, wobei da aus diversen Gründen wesentlich mehr Vorsicht gelten sollte. Auf jeden Fall ist das eine Funktion, die ich bisher schon sehr zu schätzen gelernt habe.
Wurde ein neuer Ordner auf dem Live Mesh Desktop erstellt, so liegt er beim nächsten Start eines verbundenen Endgerätes als Verknüpfung auf dem Desktop. Mit einem Doppelklick erscheint ein Dialog, in dem festgelegt werden kann, wohin dieser Ordner auf der Festplatte gemappt werden soll, also wo die synchronisierten Dateien später lokal liegen.
Damit nicht genug. Ist ein Ordner mit Live Mesh synchronisiert, so können weitere Personen zur Zusammenarbeit eingeladen werden. Die Personen können dann ebenfalls den Ordner auf ihren PC mappen und fortan live arbeiten. Dies ist besonders dann gut, wenn mit einer Gruppe von mehreren Personen an einem Projekt gearbeitet wird. Das verschicken von geänderten Dateien fällt damit einfach weg. Ist eine Datei von einer Person geändert wurden, so wird sie auf allen Endgeräten synchronisiert. Über die History ist dann sichtbar, wer was wann geändert hat.
Werden Personen zur Mitarbeit eingeladen, so kann Ihnen einmalig einer von drei Berechtigungsstufen zugewiesen werden:
- Reader: Der Reader (Deutsch: Leser) hat das Recht, die Ordnerinhalte zu lesen und auf seinen PC zu kopieren. Er kann jedoch an dem Live Mesh Ordner nichts ändern oder Dateien hinzufügen.
- Contributor: Der Contributor (Deutsch: Mitarbeiter) kann alle Dateien verändern und neue Dateien hinzufügen oder Dateien löschen. Er kann keine weiteren Personen zur Mitarbeit einladen.
- Owner: Der Owner (Deutsch: Besitzer) des Ordners ist der einzige, der Personen einladen kann den Ordner gemeinsam zu teilen und mitzuarbeiten.
Damit ist ein Zusammenarbeit super einfach und super gut möglich. Vieles hat sich erledigt. Um die geänderten Dateien zu sehen, ist es nicht notwendig, jeden Ordner zu öffnen und die History anzuschauen. Wird das Live Mesh Symbol in der Taskleiste mit der Maus überfahren, so bietet es eine Gesamt-History. Diese listet alle Aktionen in allen Ordnern mit allen Kommentaren:

Alle Dateien und Ordner sind dabei als Hyperlinks ausgelegt und können direkt per Klick geöffnet werden. Die Teamarbeit erleichtert das jedenfalls ungemein.
Nach zwei Wochen Live Mesh möchte ich es auf keinen Fall mehr missen. Gerade wenn mehr als ein Endgerät vorhanden ist, so macht eine Synchronisation einfach Sinn. Außerdem sind die Daten von jedem PC über das Internet zu erreichen. Eine Synchronisation mit dem Handy ist bereits möglich und wurde auch bereits mehrfach gezeigt. Die Öffentlichkeit muss jedoch noch darauf warten.
Live Mesh hat großes Potential und viele sehen in Live Mesh das sich bereits lange ankündigende Internetbetriebssystem. Es wurden bereits Anwendungen auf Präsentationen von Microsoft gezeigt, die sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Live Mesh Desktop laufen und dabei identisch aussehen. Es bleibt auf jeden Fall spannend, gerade weil wir bei diesem Dienst auch noch von einer Beta-Version sprechen.
Momentan bekommt jeder User lediglich 5 GB Onlinespeicher. Dies wird sich aber sicher in den nächsten Wochen ähnlich wie bei Live SkyDrive nach oben verändern.
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