Da ich mich für Fotos interessiere und auch für die Technik dahinter, werde ich ab und an auch bei anstehenden Kamerakäufen nach meiner Meinung gefragt. Diese Woche war es wieder so weit und ich habe mich etwas ausführlicher mit dem Thema auseinandergesetzt. Meine Auswertung würde ich gerne mit euch teilen, vielleicht ist ja der eine oder andere an meinem Ergebnis und an meinen Gedanken zu dem Thema interessiert.
Als Bridge-Kameras werden die Modelle bezeichnet, die gerne schon so sein wollen wie “großen”, aber doch noch einige Nachteile der kleinen mitbringen. Auch von der Größe her bewegen sie sich zwischen den echten Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven und den kleinen Knipserkameras. Die Kameras bieten eine gute Alternative für alle, die mehr wollen als nur “Abdrücken” und die sich doch keine Spiegelrelexkamera mit entsprechenden Objektiven leisten können. Die Preise liegen aktuell so bei 300-500 EUR.
Als ich mich diese Woche mit dem Thema beschäftigt hatte war der Ausgangspunkt die Panasonic DMC FZ48. Leider habe ich im Internet sowohl über die DMC FZ48 als auch die kleiner DCM FZ45 nicht viel gutes gelesen, und auch meine persönlichen Erfahrung mit der 48er Kamera sind nicht positiv. Daher habe ich diese beiden gleich aus meinem Überblick rausgekommen. In meinem Vergleich habe ich auf folgende Modelle geschaut:
- Canon Powershot G12
- Canon Powershot SX30 IS
- Canon Powershot SX40 HS
- Panasonic DMC FZ38
- Panasonic DMC FZ100
Sicherlich gibt es viele weitere interessante Modelle. Ich habe mich auf diese beiden Marken beschränkt, weil meine Bridgekamera seinerzeit von Panasonic war und meine aktuelle Spiegelreflexkamera von Canon kommt. Ich kenne die Kameras also auch von der Bedienung her und kann sie gegenüber anderen Marken uneingeschränkt empfehlen. Bei meiner Betrachtung bin ich folgendermaßen vorgegangen: Ich bin auf die Herstellerseiten gegangen und habe für die Kameras, die in Frage kämen mal zusammengestellt, welche technischen Eigenschaften die haben. Das habe ich auf die für mich relevanten Eigenschaften verkürzt und daraus einige Dinge berechnet, die meiner Meinung nach aussagekräftiger sind als die Herstellerangaben. Die relevanten technischen Angaben bzw. die Resultate aus den Berechnungen habe ich bewertet. Dabei kam eine Übersichtstabelle raus, doch bevor ich diese zeige, versuche ich erst noch die dargestellen Eigenschaften zu erklären:
- Sensortyp: Gibt Auskunft darüber, wie groß die Fläche des Sensors ist. Die Angabe gibt so weit ich das verstanden habe den Vergleich zu früheren Filmen an. Die Negative hatten eine Fläche von 36x24mm. Diese Fläche wird ins Verhältnis mit der Sensorfläche gesetzt. Also 1/1,7 sagt zum Beispiel aus, dass die früheren Negative das Maß sind und er daher mit 1 angegeben werden und der Sensor nun 1,7 weniger, also nur das ca. 0,6fache der ursprünglichen Fläche. Je kleiner die Fläche ist, desto schlechter ist dies eigentlich.
- Megapixel: Diese Angabe sollte klar sein. Das ist ein Wert mit dem die Hersteller gerne werben.
- Platz pro Megapixel: Dieser Wert ist von mir berechnet und sagt nun etwas über die Bildqualität aus. Aus dem Sensortyp und den Megapixel kann man einen Vergleichswert errechnen, der angibt, wieviel Platz pro Megapixel eigentlich auf der Sensorfläche zur Verfügung steht. Das Problem bei heutigen Kameras: Sie haben sehr viele Megapixel, aber die Fläche ist dafür eigentlich viel zu klein. Also müssen die Sensoren zur Farb- und Helligkeitsberechnung der Pixel ziemlich klein sein, damit die überhaupt drauf passen. Für das günstige Preissegment (in dem bewegen wir uns bei Bridge-Kameras) gilt jedoch: Je kleiner die Sensoren sind, desto ungenauer ist der Farb- und Helligkeitswert. Je ungenauer die Berechnung ist, desto mehr liegen benachbarte Sensoren in ihrer Berechnung auseinander, was wiederum zu Bildrauschen führt. Generell kann man sagen: Je mehr Platz also pro Megapixel zur Verfügung steht, desto besser ist dies für die Bildqualität.
- Brennweite: Ein technischer Wert des Objektivs. Er gibt den Abstand zwischen Einfall des Lichts und Film in mm an. Da heutige Sensoren oft nicht gleich groß sind wie damalige Filme, muss auch die Brennweite umgerechnet werden.
- Vergrößerung: Die Hersteller werben gerne mit einem optischen Zoom. Dieser berechnet jedoch nur den Faktor zwischen maximaler und minimaler Brennweite. Er sagt nichts über die Vergrößerung aus. Die Vergrößerung berechnet man über die Brennweite 50mm die eine 1:1 Abbildung des Gesehenen ermöglicht. Alles darüber ist eine Vergrößerung, alles darunter eine Verkleinerung des Gesehenen. (100mm wären daher also eine 2fache Vergrößerung des Bildausschnitts [wegen 2*50mm].)
- Verkleinerung: Wird berechnet über 50mm als 1:1 Abbildung. 25mm wären also eine 2fache Verkleinerung.
- Blende: Ein technischer Wert fürs Objektiv. Er ist ein Indikator dafür, wie gut man auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch Bilder machen kann. Die Angabe der Blende erfolgt von Blende bei min. Brennweite bis Blende bei max. Brennweite. Ein Beispielobjektiv (das der Canon Powershot G12) hat eine Blende von 2,8 bei 28mm Brennweite und eine Blende von 4,5 bei 140mm Brennweite. Hier gilt je kleiner der Wert desto besser. Der Wert gibt nämlich das Verhältnis an zwischen zur Verfügung stehender Objektivfläche und nutzbarer Objektivfläche bei schlechten Lichtverhältnissen. D.h. das Beispielobjektiv kann bei 28mm (min. Brennweite) bis 36% der Objektivfläche nutzen und bei 140mm (max. Brennweite) lediglich nur noch bis 22% der Objektivfläche. Diese Werte sind bedingt durch die Bauarten des Objektivs und die Anzahl / Anordnung der Linsen in dem Objektiv. Je weniger Objektivfläche genutzt werden kann desto weniger Licht dringt jedoch ins Gehäuse ein und das ist insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen negativ fürs Bild. Die Kameras mit viel Zoom haben bedingt durch die dafür notwendigen Bauformen bei maximalen Zoom hier einen besonders schlechten Wert. D.h. diese Vergrößerungen können ohne Blitz eigentlich nur bei Tageslicht im Freien erreicht werden. Ansonsten müsste man ziemlich schnell den Blitz einsetzen, damit das Bild nicht verwackelt. Ich persönlich mag keine Bilder mit Blitz, aber das ist wohl Geschmackssache. Generell gilt hier: Je kleiner die Werte, desto besser ist dies für die Bildqualität.
- AF Messfelder: Die Werte sagen etwas über die Scharfstellung der Kamera aus. Die meisten Kameras haben heutzutage Mehrfeldmessungen oder ziemlich viele Felder in denen gemessen wird. Im Vergleich hat lediglich die Canon Powershot G12 “nur” 9 Messpunkte und keine Messfelder.
- Makro: Alle dargestellten Kameras können Nahaufnahmen von Objekten machen.
- ISO min / ISO max: Die ISO gibt Aufschluss über die Lichtempfindlichkeit der Sensoren für die Berechnung der Farb- / Helligkeitswerte. Bei meiner Farbdarstellung bin ich von der Annahme ausgegangen, dass je höher die maximal mögliche Lichtempfindlichkeit liegt, desto besser verhalten sich die Sensoren bei geringer Lichtempfindlichkeit. Die Lichtempfindlichkeit hat Einfluss auf das Bildrauschen und damit auf die Bildqualität.
- Geschwindigkeit: Der Wert gibt an, welche Belichtungszeiten mit den Kameras möglich sind. Er liegt überall im grünen Bereich.
- RAW: RAW Bilder sind unkomprimierte Bilddateien mit stark erhöhter Bildinformation. Diese Möglichkeit ist sehr interessant für die Nachbearbeitung von Bilder. Normalerweise speichern Kameras die Bilder in JPEG ab. JPEG ist ein verlustbehaftetes Komprimierungsverfahren zur Datenmengenreduktion von Bilddaten. Im Klartext heißt das: Je öfter man ein JPEG Bild wieder als JPEG speichert, desto weniger Informationen sind vorhanden. Das Bild wird immer stärker komprimiert und verliert an Farben und Schärfe. Wenn dies bereits in der Kamera ein erstes Mal passiert, dann bei der Nachbearbeitung ein zweites Mal und bei späterem Zuschnitt oder Farbumwandlung (s/w, …) ein drittes Mal ist die Bildqualität schon merkbar schlechter als zu Beginn. Wenn man aber in RAW fotografiert, hat man immer ein unkomprimiertes Rohbild (mit entsprechendem Speicherplatzbedarf) an dem nach belieben geändert werden kann ohne Qualitätsverlust. Erst für die Weitergabe oder Ablage wird das Bild dann als JPEG exportiert und einmal komprimiert. Sicherlich ist dies für viele Käufer von Bridge-Kameras erst mal uninteressant, aber man weiß nicht, wozu man sich noch entwickelt. Ich persönlich würde darauf achten, dass die Kamera RAW wenigstens unterstützt, auch wenn man es vorerst nicht nutzen möchte.
- LCD-Bildschirm dreh- / schwenkbar: Gibt Auskunf darüber, ob der LCD Bildschirm starr verbaut ist oder an einem Scharnier sitzt und damit beweglich ist.
- Video max Auflösung: Erklärt sich von selber. Grundsätzlich haben die älteren Kameras die 720p Auflösung (“HD-Ready”) und die neueren die 1080p (“Full-HD”).
- Speicherkarte: Welcher Typ kann verwendet werden: Alle setzen auf SD-Karten, was meiner Meinung nach sinnvoll ist. Einige bieten zusätzlich die Möglichkeit die (älter und langsameren) MMC Karten zu verwenden.
- Displaygröße: Ein Wert mit dem die Hersteller werben. Alle verglichenen Kameras liegen hier sehr nah beieinander.
- Displaypixel: Wie viele Bildpunkte werden auf dem Display dargestellt.
- Displaypixel pro cm²: Ist ein Wert der von mir hinzugefügt wurde, weil er einen Rückschluss auf die Displayschärfe bietet. Was nützt das größte Display, wenn das Bild unscharf dargestellt wird?
- Sucher: Um Geld zu sparen, setzen einige Hersteller auf einen elektronischen Sucher. Damit spart man sich die notwendige Technik, die den Spiegel für die Belichtung hochklappen müsste. Ich hatte an meiner Bridgekamera seinerzeit einen solchen Sucher und weiß, dass man ihn nicht benutzt, weil er einfach schlecht und unscharf ist. Wenn man einen elektrischen Sucher hat, fotografiert man immer über die Darstellung am Kameradisplay. Ob man einen Sucher braucht ist Geschmackssache. Erst hat’s mich gestört, inzwischen liebe ich ihn. Ein optischer Sucher ist auch in praller Sonne noch hell genug. Hier kommen die Kameradisplays oft an ihre Grenzen und man erkennt nur noch schematisch, was gerade fotografiert wird oder man nutzt den wirklich schlechten elektrischen Sucher.
- Bilder auf Flickr: Diese Information habe ich noch hinzugefügt, weil sie Aufschluss über die Verbreitung der Kamera gibt. Flickr ist ein Onlinefotodienst und man kann dort ganz gezielt nach Kameramodellen suchen. Nicht alle werden in der Flickr-Kamerasuche abgebildet, das ist dann in meiner Auswertung mit “keine” vermerkt. Diese Angabe dient lediglich der Information.
- Preis: Wo liegt der aktuelle günstigste Internetpreis mit Versand im heise-Preisvergleich?
Hier nun die Übersicht:
