Einige meiner Freunde haben in letzter Zeit ihren Namen auf Facebook verändert, sodass er vielleicht noch an das erinnert, was er eigentlich mal war, aber nicht mehr der eigentlichen Identität entspricht. Um das mal konkret beim Namen zu nennen: Aus dem Nachnamen Kammerer wurde über die Assoziation mit Kamera der Name Fotoapparat. Das deutsche Wort Leicht wurde einfach mal in eine andere Sprache übersetzt. Noch andere haben komplette Fantasienamen angenommen. Unabhängig davon, dass ich das Vorgehen an sich persönlich für fraglich halte möchte ich gerne mal im Lichte der zukünftigen (wahrscheinlichen) Entwicklung und auch der heute bereits vorhandenen Integration auf diese Dinge schauen.
Das erste Problem mit der Namensänderung bekommt man, wenn man sich im Ausland an sein Facebookprofil anmeldet. Facebook ist hier sehr sicher gemacht und nutzt ein eigentlich tolles Sicherheitsverfahren, was unberechtigte Zugriffe aus dem Ausland verhindern soll. Meldet man sich im Ausland an, so bekommt man z.B. Fotos von seinen Freunden gezeigt, auf denen diese markiert wurden. Daneben werden einige Namen aufgelistet. Zu dem gezeigten Foto soll der richtige Namen ausgewählt werden. Die Personenmarkierungen werden dabei natürlich nicht gezeigt. Auf fünf Fotos müssen die Personen richtig identifiziert werden, zweimal darf man daneben liegen. Als ich das letzte mal im Ausland war, musste ich genau diese beiden Fehlversuche nutzen, weil ich einfach nicht wusste, wer da wieder so kreativ bei der Namenswahl war. Besonders kompliziert wird das dann, wenn die Person mit vielen weiteren befreundeten Personen auf einem Bild gezeigt wird. Ein erster Punkt, warum diese Namensänderung schwierig ist. (Leider konnte ich auf die schnelle keinen Screenshot im Internet finden. Wenn ich mich das nächste Mal aus dem Ausland anmelde, werde ich hoffentlich daran denken, einen Screenshot anzufertigen.)
Der zweite eher offensichtliche Punkt: Man wird nicht gefunden. Das ist den Leuten bei der Namensänderung wahrscheinlich sogar bewusst und sie nehmen diesen Nachteil zum angeblichen Schutz ihrer Daten in Kauf. Deswegen will ich mich mit diesem Argument nicht lange aufhalten.
Wer sich ein neueres Handy (Smartphone) oder einen Tablet-PC gekauft hat wird feststellen, dass Facebook inzwischen ein elementarer Grundbaustein von mobilen Geräten geworden ist. Meist werden die Logindaten zu Facebook bereits bei der Einrichtung des Geräts abgefragt. Mein mobiles Endgerät ist ein solches. Welche Nachteile hat dabei die Verwendung falscher Namen? Das eigene Adressbuch wird bei mir mit den Freunden auf Facebook verglichen. Stimmen die Namen überein, so kann ich die Kontakte meines Adressbuchs automatisch mit den Facebookprofilen verknüpfen. Wähle ich danach einen Kontakt meines Adressbuchs aus, bekomme ich so z.B. seinen aktuellen Status angezeigt oder kann direkt über die Oberfläche des Telefons auf die zuletzt veröffentlichten Fotos zugreifen. Die Daten werden vom Telefon automatisch periodisch aktualisiert. Diese automatische Verknüpfung zwischen Telefon und Facebookfreunden funktioniert nur dann, wenn der Name auf Facebook mit dem im Adressbuch identisch ist. Ist er das nicht, muss jeder Kontakt einzeln mit einem Kontakt auf Facebook verknüpft werden. Das ist natürlich nicht besonders komfortabel. Eine solche Funktionalität wird durch falsche Namen auf Facebook unbrauchbar und nicht genutzt, weil der Aufwand den Nutzen nicht rechtfertigt.
Auch Anwendungen von Rechnern integrieren immer mehr Informationen aus Facebook. So hat Microsoft gerade vor kurzem die neue Windows Live Suite auf den Markt gebracht, die unter anderem das Programm Windows Live Fotogalerie enthält. Das Programm dient zur Anzeige und Verwaltung, sowie zur Bearbeitung und Einordnung von Bildern. Natürlich bietet sich die Verbindung zu Facebook geradezu an. So können beispielsweise die Fotos direkt aus dem Programm auf Facebook veröffentlicht werden. Eine weitere Funktion des Programms erkennt gleiche Gesichter auf den Fotos des Rechners und schlägt auch Namen für die erkannten Personen vor. Dabei bedient es sich natürlich an den bisher eingegeben Namen für die Personen auf anderen Fotos, aber auch der Namen von den Freunden auf Facebook. Wird eine Person auf einem Bild mit einem solchen Facebooknamen markiert ist dieser auch den Änderungen des Facebookprofils unterlegen. Das heißt wenn der Name auf Facebook verändert wird, ändert sich auch der Name der identifizierten Person auf dem Foto. Die Namensänderung auf Facebook hat also Auswirkungen auf die Bildinformationen auf privaten Rechnern von deinen Freunden. Ganz generell werden die Informationen von Facebook in immer mehr Programmen verwendet. Kannst du einschätzen, welche Auswirkungen die Änderung deines Namens auf die privaten Daten auf den Rechnern deiner Freunde hat? Ich bin mir sicher, dass die Integration von Facebook in jede Art von Informationssystem immer weiter gehen wird.
Das waren einige Argument warum ich der Meinung bin, dass eine Abwandlung des realen Namens wenig sinnvoll ist. Beleuchten wir mal den Hintergrund der Personen: Die meisten der agierenden Personen nennen das Stichwort Datenschutz. Eines ist sicher: Facebook bekommt in den Medien öfter seinen Speck weg und auch der neue Film (leider noch nicht gesehen) “The social network” wirft kein gutes Licht auf das Social Network. Aber mal ganz ehrlich: Sobald ein Unternehmen eine gewisse Größe erreicht hat, wird es genauer betrachtet und dann treten sicher auch negative Eigenschaften ans Licht. Viele große Unternehmen haben das auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden schon zu spüren bekommen. Gerade in der IT-Branche gibt es genügend Beispiele: Die bekannten sind wohl Microsoft und Google. Aber auch bei Apple geht es langsam los. Facebook ist davon nicht weniger betroffen. Dass die Presse viel darüber berichtet heißt aber noch lange nicht, dass es bei anderen sozialen Netzwerken besser aussieht. Mir ist kein Netzwerk bekannt, welches so genaue Einstellungen zur Privatsphäre bietet, wie Facebook dies tut. Dass die Voreinstellung weniger im Sinne des Nutzers ist, liegt in der Natur von sozialen Netzwerken, denn dort macht man ja private Informationen öffentlich.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass viele der Personen, die sich über den Datenschutz von Facebook Gedanken machen, den Schutz der Daten ihrer Freunde nicht ganz so ernst nehmen. Gerade in Bezug auf Fotos: Ein jeder hat das Recht auf das Abbild seiner selbst. Fragst du deine Freunde, ob du die Fotos veröffentlichen darfst, die du ins Netz stellst? Vielleicht sollte jeder Nutzer erst mal hier ansetzen und die sensiblen Daten seiner Freunde ernst nehmen und dann gegen Facebook und den Datenschutz wettern.
Einen letzten Gedanken möchte ich zu dem Thema noch äußern: Wer mit dem Datenschutz und seinen persönlichen Daten Probleme hat, sollte sich nicht unbedingt gegenüber Facebook verweigern. Bei Facebook kann ich ganz genau bestimmen, welche Informationen ich veröffentliche und kann, wenn ich das möchte, auch meine wahre Identität verbergen. Bei Google geht das weniger. Da Google einen Marktanteil über 90% hat, kann ich davon ausgehen, dass die meisten Leute die Google-Suche nutzen. Jede Suchanfrage wird von Google gespeichert und einem anonymisierten Profil zugeordnet. Das spannende daran: Google arbeitet daran noch mehr über die Nutzer zu erfahren. So wurde für eingeloggte Besucher (alle, die eine personalisierte Google-Suchseite haben, Stichwort iGoogle oder Google Mail nutzen) nun die Livesuche eingeführt. Diese Suche übermittelt jede Menge Daten über die Art und Weise wie der Benutzer sucht. Wie lange braucht er um einen Buchstaben einzugeben? Hat er sich vertippt? Auf welchen Treffer hat er geklickt? Die meisten nutzen Google wohl ohne sich darüber jemals Gedanken gemacht zu haben. Welches Nutzerprofil lässt sich wohl erstellen wenn ich weiß, was eine Person wirklich interessiert, wonach sie sucht? Eine erste Möglichkeit diese Daten zu nutzen hat Google bereits mit der Vorhersage der Ausbreitung von Saison-Krankheiten gezeigt. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Daten bei Google nicht so anonym gespeichert werden, wie immer propagiert wird. So habe ich bereits mehrfach davon gehört, dass staatliche Behörden bei Ermittlungen auch auf Daten von Google zurückgegriffen haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Bei Facebook kannst du bestimmen was du veröffentlichst, Google weiß, was dich wirklich interessiert.
Es ist ein frommer Wunsch im Internet anonym bleiben zu können. Profis mag es gelingen ihre Identität über verschiedenste Mechanismen zu verschleiern. Der normale Benutzer ist aber jederzeit auf jeder Webseite bei Bedarf identifizierbar. Ob es Sinn macht bei Facebook seinen Namen zu ändern, um seine Daten zu schützen? Meiner Meinung nach wird damit nur die Entwicklung weiterer Möglichkeiten die sozialen Netzwerke zu nutzen gehemmt. Man sollte sich gut überlegen, ob der Nutzen die Mittel rechtfertigt. Für mich scheint der Nutzen an dieser Stelle gegen Null zu gehen. Man braucht nur auf den geänderten Namen zu kommen und schon stehen die gleichen Informationen zur Verfügung. Der bessere Schritt wäre hier wohl die Datenschutzeinstellungen entsprechend abzuändern, dass nach außen nur noch der Name der Person sichtbar wäre.
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