Ja: Ich habe ein iPad. In meinem Bekanntenkreis ist man darüber sehr verwundert und belächelt mich wohl auch etwas, so in die Richtung: Der Microsoft-Vertreter ist wohl nun doch schwach geworden (ich habe sonst auf allen meinen Rechnern aus Überzeugung Microsoft Windows). Meine Entscheidung zum Kauf war jedoch rein rational und gut und lange überdacht. Natürlich war ich gespannt, wie sich dieses Gerät in meine totale Windows-Umgebung integrieren würde, aber nach den ersten vier Wochen möchte ich das iPad nicht mehr hergeben. Wahrscheinlich weniger, weil es ein Apple ist, als mehr weil es ein Tablet ist.
Wie kam es zu meiner Entscheidung ein Tablet zu kaufen?
Mein alter eeePC 1000H aus meiner Studienzeit hatte ausgedient. Der Akku lief nicht mehr wirklich lange und auch sonst zeigten sich die Gebrauchsspuren. So entschloss ich mich bereits im Oktober letzten Jahres einen Ersatz zu besorgen und mir war von vornherein klar, dass es ein Tablet werden würde. Mein geplanter Haupteinsatzzweck für das Gerät war das Sofa und da ist eine Hardwaretastatur mehr als hinderlich. Als ich mich dann aber auf dem Tablet-Markt umsah, gab es da nichts, was in meiner Preisklasse meinen Vorstellungen entsprach. Klar gibt es zwei Geräte, die als Tablet mit Stift und mit Windows sehr attraktiv sind, aber der eee Slate von Asus ist mit 900 EUR schon relativ teuer und kann mit ca. 3,5 Std. Akkulaufzeit nicht wirklich überzeugen und der Serie 7 Slate PC von Samsung ist zwar durchaus sehr interessant mit sechs Stunden Akkulaufzeit, aber mit 1300 EUR auch sehr teuer. Auch das iPad 2 konnte mich seinerzeit nicht begeistern: Wenn ich davor stand fiel mir die Displayauflösung sofort als negativ auf und damit war das Gerät aus der Liste möglicher Produkte abgeschrieben, denn selbst günstigere Geräte wie das MSI WindPad 100W oder der Acer Iconia Tab W hatten eine höhere Displayauflösung als das iPad. Eigentlich wollte ich das Tablet zu Weihnachten kaufen, aber da es aber nichts wirklich interessantes gab, verschob ich den Kauf vermeintlich auf die Einführung von Windows 8. Als dann im Februar gemunkelt wurde, dass das iPad 3 von Apple im März vorgestellt wird, war ich natürlich sehr interessiert. Es bewahrheitete sich, dass mein größter Kritikpunkt – die Displayauflösung – mit dem iPad 3 behoben wurde und das iPad somit wieder im Rennen war. Lediglich die Integration in meine Windows Welt würde wohl spannend werden. Ich entschied mich trotzdem zum Kauf, wohlwissend, dass ich ein Rückgaberecht hatte. Zudem sind Produkte von Apple ja auch relativ gut wieder zu verkaufen, daher hatte ich nichts zu verlieren.
Positives und Negatives zum iPad 3
Positives berichten alle im Internet. Ich habe vor meiner Kaufentscheidung relativ wenig negatives über das iPad gelesen. Daher möchte ich meinen Artikel heute bewusst dazu nutzen, um Kritik an einigen Punkten zu üben, die nicht wirklich gut durchdacht sind, oder aber in meiner bisherigen Welt zu Problemen und Schwierigkeiten führen. Trotzdem muss man natürlich auch kurz auf die Stärken eingehen, die bei mir zur Kaufentscheidung geführt haben.
Positives zum iPad 3: Akkulaufzeit
An erster Stelle ist dies die Akkulaufzeit. Mit dem iPad 3 kann ich 9-10 Stunden arbeiten. Das mache ich eigentlich nie am Stück, aber im Endeffekt bedeutet das, dass ich es viel seltener aufladen muss als einen herkömmlichen Laptop oder Slate PC. Außerdem kann ich mich auf kurze Reisen begeben, ohne gleich das Ladegerät einpacken zu müssen. Mein Ziel war es, hier besser zu werden, als das mit dem eeePC war. Dort hatte ich beim Kauf seinerzeit 6,5 Stunden Akkulaufzeit. Dass das iPad dies nun erheblich toppt, gefällt mir gut und war auch schon beim iPad 2 einer der wesentlichen Pluspunkte des Geräts.
Positives zum iPad 3: Displayauflösung
An zweiter Stelle folgt natürlich die Wahnsinnsauflösung. Zwei Screenshots dazu, um das zu verdeutlichen (ich habe die Bilder extra in Originalgröße hinterlegt, auch wenn das laden etwas länger dauert. Die weiteren Screenshots werde ich verkleinern):


Mit diesem Display ist es echt krass, wie scharf die Texte dargestellt werden. Das erste Mal in meinem Leben lese ich die über die Jahre gesammelten eBooks auch wirklich. Es ist sehr angenehm auf dem Display zu lesen und wenn man länger liest, vergisst man sogar, dass man nicht von Papier sondern von einem Display liest. Mit den entsprechenden Apps kann man sich auch nahezu jede beliebige Internetseite als Magazin darstellen lassen und so macht das Lesen sogar noch Spaß.
Positives zum iPad 3: Qualität der Apps
Allgemein muss man die Qualität der Applikationen wirklich loben. Ich kenne nun inzwischen zwei Mobilsysteme (Windows Phone und iOS, in der nächsten Woche kommt Android dazu), muss aber anerkennen, dass iOS bezüglich der Applikationen die Nase wirklich weit vorne hat. Dabei habe ich durchaus den Vergleich durch Apps, die es sowohl für Windows Phone, als auch für iOS gibt.

Positives zum iPad 3: Zubehör
Das Zubehör für die Geräte von Apple ist sehr vielfältig. Da es eine große Kundschaft für wenige Formfaktoren gibt, lohnt es sich, Zubehör mit Grips zu entwickeln, da dieses sich dann häufig verkauft. So habe ich mir inzwischen eine Hülle zugelegt, die mich absolut begeistert.


Natürlich lassen sich die Zubehörhersteller ihre Arbeit aber auch entsprechend vergüten: Ist ja Zubehör für einen Apple…
Positives zum iPad 3: Gewicht
Das Gewicht überzeugt absolut. Ich hätte zwar nicht gedacht, dass selbst 650 Gramm auf Dauer so schwer sein können, aber mit diesem Fliegengewicht, ist Apple mit dem iPad auch in dieser Kategorie momentan Marktführer.
Negatives zum iPad 3: Der Preis
Nun, an erster Stelle steht hier der Preis. In der 16GB Version mag der Preis zwar noch human sein, aber dass man für 64GB dann 200 EUR mehr zahlen soll?? 64GB schneller Speicher liegt auf dem Markt weit unter 200 EUR. Leider ist mit der hohen Displayauflösung auch der Speicherbedarf von Apps gestiegen. Dies habe ich mir bereits vor dem Kauf gedacht, weil vierfache Auflösung, auch vierfache Dateigröße für Grafiken bedeutet. Da ich auch viel mit Fotos auf dem iPad machen möchte, habe ich mich trotz des Preises für die 64GB entschieden. Dies erweist sich im alltäglichen Gebrauch auch als die richtige Entscheidung, denn aktuell sind ohne große Fotozwischenspeicherung nur noch 31GB verfügbar, damit wäre die 32GB Version schon jetzt zu klein. Trotzdem bleibt der Preis ein klarer Kritikpunkt, da für die vollständige Nutzung der Funktionalitäten viele weitere Apps gekauft werden müssen. Auch hierbei verdient Apple wieder kräftig mit. Es wäre also meiner Meinung nach durchaus denkbar, den Preis zu senken um eine größere Käuferschaft anzusprechen und dann sekundär über die Applikationen mehr zu verdienen.
Negatives zum iPad 3: Zugriff auf Netzwerkordner und –dateien
In meinem Heimnetzwerk liegen die Multimediadateien zentral auf dem Server. Jedes anderes Gerät im Netzwerk kann auf dieses Mediendateien zugreifen. Lediglich das iPad kann von Haus aus nicht auf Mediendateien im Netzwerk zugreifen. Dies lässt sich nur über weitere (nicht immer kostenlose) Applikationen realisieren. So habe ich den Zugriff auf die Standardmediendateien über DLNA regeln können. Die Applikation, die ich dazu nutze ist MediaConnect, welche das Netzwerk automatisch nach DLNA Servern durchsucht. Da mein Windows Home Server DLNA automatisch unterstützt, war dies die beste Methode, um auf Mediendateien zugreifen zu können, auch wenn die Zugriffe nicht immer sehr schnell sind.


Für Bilder und Musik funktioniert diese Vorgehensweise sehr gut. Für Videos wird das dann schon schwierig, weil damit nur wiedergegeben werden kann, was vom iPad unterstützt wird und das ist bezüglich Videocodecs nicht wirklich viel. Zur Videowiedergabe muss außerdem noch der FlexPlayer installiert werden. Die nicht ausreichende Unterstützung von Videoformaten und Codecs führt dazu, dass ich für Videos einiges ausprobiert habe, bis ich dann zu einer Lösung gefunden habe, die ich immer dann nutze, wenn der FlexPlayer an seine Grenzen kommt: VLCStreamer wandelt die Videos mit einer auf dem Server installieren Applikation auf ein für das iPad verständliche Format um, sodass ich diese dann auf dem iPad sehen kann. Das beansprucht den Server zwar sehr stark (CPU Last 100%), aber funktioniert wenigstens einigermaßen. Die Einschränkung auf diese bestimmten Videoformate ist übrigens etwas, was ich überhaupt nicht verstehe bei Apple. Aber sie mögen es wahrscheinlich ja nur gut mit ihren Kunden meinen… Damit habe ich jetzt meine Netzwerkzugriffe auf Mediendaten einigermaßen hinbekommen.
Für alle anderen Dateitypen (Bilddateien, Officedateien, …) ist es jedes Mal erneut spannend, da für jeden Dateityp eine extra Applikation gesucht werden muss. Alternativ findet man eine App, die mit vielen Dateitypen umgehen kann. Womit ich aktuell nicht weiterkomme ist die Wiedergabe von Open Document Präsentationen auf einem externen Bildschirm. Mal zeigt die App die Präsentation schon nicht richtig auf dem iPad an, mal ist auf dem iPad richtig dargestellt, aber der externe Bildschirm bleibt schwarz, … Dazu aber weiter unten mehr.
Negatives zum iPad 3: Die Synchronisation von Fotos unter Windows
Das nächste Übel ist die Fotosynchronisation über iTunes. Wenn man einen Rechner mit MacOS hat, werden die Bilder mit dem iPad wohl über iPhoto synchronisiert. Für Windows gibt es das Programm aber nicht und so hat Apple sich gedacht, dass sie die Funktionalität in iTunes einbauen. Dabei haben sie sich aber nicht besonders viel Mühe gegeben (ein Schelm, wer Böses dabei denkt…). Synchronisiert wird nur die erste Ordnerebene. Man wählt also einen Hauptordner und die Unterordner daraus werden synchronisiert. Enthalten die Unterordner weitere Unterordner, so werden diese nicht angezeigt; die Bilder landen stattdessen mit im ersten Unterordner. Am Beispiel: Meine Ordnerstruktur ist so aufgebaut, dass in dem Ordner Bilder die Unterordner für die jeweiligen Jahre liegen, also 2010, 2011, 2012, … In diesen Ordnern liegen dann wieder Unterordner für die einzelnen Ereignisse. Da iTunes diese zweiten Unterordner bei der Synchronisation nicht berücksichtigt, lagen dann in meinem Ordner 2012 auf dem iPad ca. 4000 Bilder. Nun gibt es für dieses Problem zwei Möglichkeiten: Entweder nur ein Jahr auf dem iPad mitschleppen, oder alle benötigten Unterordner von den verschiedenen Jahren in einem iPad-Bilder-Ordner zusammenbringen und diesen dann zur Synchronisation auswählen. Das habe ich dann gemacht. Aber schön ist das nicht wirklich.
Negatives zum iPad 3: Die Wiedergabe von Fotos auf externem Monitor
Wenn man dann die Fotoordner auf einem externen Monitor wiedergeben möchte, darf man das nächste Mal staunen. Das iPad hat ein Display mit den Seitenverhältnissen 4:3. Jeder moderne Monitor hat jedoch ein Seitenverhältnis von 16:9. Damit entstehen bei der Wiedergabe eines Bildes auf dem externen Monitor schwarze Ränder an den Seiten des Bildes. Normalerweise werden diese schwarzen Ränder vom Fernseher erzeugt, weil das Bildsignal halt als 4:3 übergeben wird. Beim iPad ist dies jedoch anders: Das iPad steuert den Fernseher mit einer Auflösung von 16:9 an (in meinem Fall Full HD, also 1920 x 1080 Bildpunkte), erzeugt jedoch selber die schwarzen Trauerränder. Selbst wenn ich in ein Bild hineinzoome werden die Ränder nicht zur Anzeige von Bildmaterial verwendet. Dass die Auflösung wirklich genutzt werden kann zeigt das iPad, wenn dann zwischen den Fotos plötzlich ein Video steckt. Die Trauerränder verschwinden und das iPad zeigt das Video über die komplette Bildschirmfläche an. Hier hätte Apple ruhig etwas mehr Zeit investieren können, um dieses Verhalten zu verbessern. Zur Verdeutlichung habe ich dazu ein kurzes Video gemacht (leider stimmt die Schärfe nicht ganz…):
Negatives zum iPad 3: Qualität der Applikationen
Unter der gleichen Überschrift habe ich schon unter Positives berichtet, denn die Applikationen sind wirklich gut. Das Problem ist nur, dass in machen Fällen der letzte Schliff fehlt um sie auch wirklich benutzen zu können. Ich möchte das an zwei Beispielen deutlich machen:
Beispiel 1: iPhoto
iPhoto wurde in der Vorstellung des iPad 3 auch als neue Applikation vorgestellt und macht eigentlich für das iPad auch wirklich Sinn. Ich hatte vor, es in meinem Fotoworkflow zu integrieren. Der Haken an der Sache: Um alles aus den Bildern rauszuholen, fotografiere ich in RAW. Die RAW Bilder können zwar von iPhoto bearbeitet werden. Das Problem ist aber, dass in RAW Dateien generell keine Bearbeitungsschritte gespeichert werden. Dies macht jedes RAW Programm in einer eigenen Datenbank oder aber bietet die Möglichkeit diese Bearbeitungsschritte als zusätzliche Datei neben das Bild zu legen (XMP). iPhoto bietet genau diese Möglichkeit nicht. Da aber die Bearbeitungsschritte nicht im Bild gespeichert werden, kann ich iPhoto nicht nutzen, weil ich die Bearbeitung aus dem iPad nur als JPG rauskriege und damit habe ich nichts gewonnen. Hier fehlt also wieder genau der letzte Schritt…
Beispiel 2: Open Document Präsentationen (*.odp)
Das Open Document Format hat sich quasi als Standard durchgesetzt und wird inzwischen sogar von Microsoft Office unterstützt. Auch Freeware Programme wie Open Office oder Libre Office speichern die Dateien im *.odp Format ab. Das Problem ist aber, einen Viewer zu finden, der diese Dateien auf dem iPad anzeigt. Das von Apple bereitsgestellte Keynote kann mit dem Dateiformat nichts anfangen, und andere Apps können es nur rudimentär darstellen. Ich habe eine App gefunden, die mir auf dem iPad genau das zeigt, was ich sehen will, der externe Monitor bleibt jedoch schwarz. Die Anfrage an den Support blieb leider auch erfolglos. Gestern habe ich nun erneut einen Schritt gewagt und mir eine App gekauft, die eigentlich recht gut umgesetzt ist, denn man kann die Präsentationen auch bearbeiten. Dazu wird anscheinend auf einem Server das normale Libre Office gestartet und das Bild dann auf das iPad gestreamt. Sieht alles gut aus, bis auf die Darstellung im Präsentationsmodus. Sobald man die Folien zeigen möchte, wird unten und an der Seite was abgeschnitten. Auch hier habe ich Kontakt mit den Entwicklern aufgenommen und anscheinend tut sich was. Zumindest will man sich das Problem ansehen und bedankt sich für die Information.
Negatives zum iPad 3: Keine Testversionen oder Rückgabe von Apps
Von Windows Phone bin ich es auf meinem Smartphone gewohnt, dass ich Apps testen kann bevor ich sie kaufe. Wie an meinem Beispiel 2 eben zu sehen war, habe ich jede Menge Apps ausprobiert, um die Darstellung von Open Document Präsentationen zu ermöglichen. Leider ohne Erfolg. Zu meinem Test gehörten nicht nur kostenfreie Apps und so habe ich hier einige Euros verschleudert. Dem AppStore täte es sehr gut, wenn Apps vor dem Kauf getestet werden können. Bei Windows Phone gibt es dazu zwei Möglichkeiten: Entweder der Funktionsumfang ist beschränkt, oder aber der Nutzungszeitraum ist beschränkt. Beides sind Alternativen, die durchaus sehr gut denkbar sind.
Fazit
Das iPad ist auf Hardwareebene wahnsinnig gut umgesetzt und ich habe selten so ein hochwertiges Gerät in der Hand gehabt. Das Problem ist aber die Software. Teilweise versenkt man Stunden um bestimmte Funktionen zu ermöglichen. Noch ist mein iPad kein kompletter Ersatz für meinen Laptop, da zwei Schlüsselfunktionen von mir nicht funktionieren: Bearbeitung von RAW Dateien und Darstellung von Open Document Präsentationen. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen das iPad vorerst zu behalten – Zumindest bis Windows 8 dann mit vergleichbaren Tablets auf dem Markt ist. Ob ich dann noch umsteigen möchte, werde ich dann sehen müssen.
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