Datensicherung: Vorstellung von Sicherungskonzepten

Die Datensicherung der Daten eines Rechners ist heute eigentlich gar kein Problem. Die Datenmengen haben zwar stark zugenommen, aber die Datenträger sind dafür auch immer größer geworden. Speicherplatz kostet auch nicht mehr viel (Ausnahmezeiten gibt es immer wieder, so wie momentan gerade die Probleme in Thailand seit der letzten großen Flut und dem dadurch entstandenen Festplattenengpass). Trotzdem erlebe ich es immer wieder, dass viele Verwandte, Freunde, Bekannte keine Datensicherungen machen. Wahrscheinlich immer mit dem Hintergedanken, dass es einen ja schon nicht treffen wird mit dem Festplattenausfall.

Festplattenausfälle sind jedoch keine Seltenheit. Ich selber habe nun auch persönlich eine Festplatte gehabt (eine SSD), die nach acht Monaten schon den Geist aufgegeben hat. In meinen über 10 Jahren, die ich mit PCs zu tun habe, ist das nicht ein einziges Mal aufgetreten bei mir persönlich. Trotzdem habe ich meine Daten immer wieder fleißig gesichert und das hat sich jetzt bezahlt gemacht, aber dazu später mehr. Die mir bekannte gängige Meinung unter Experten ist, dass Festplatten entweder im ersten halben Jahr kaputt gehen, oder aber die Garantiezeit überleben. Nach fünf Jahren sollte man Festplatten tauschen. Leider erlebe ich es im Bekanntenkreis häufiger, dass Festplatten auch während der Garantiezeit, den Geist aufgeben. Man kann sich also nicht sicher sein, und sollte deswegen Sicherungen anlegen. Ich möchte in diesem Artikel verschiedene Konzepte zur Datensicherung aufzeigen.

Der Anlass zu diesem Artikel entstand durch das Notebook meines Schwiegervaters. Als ich dessen Festplatte bei mir zum Sichern eingebaut habe, nachdem sich sogar schon das ziemlich nachlässige S.M.A.R.T. System mit dem Status BAD gemeldet hatte, hat dann auch Windows 7 eine entsprechende Fehlermeldung gebracht:

Festplattenfehler

Diese Meldung sollte man ernst nehmen. Bei der Festplatte meines Schwiegervaters waren einige Sektoren betroffen und Windows stockte bei der Ausführung bereits immer wieder, weil Daten nicht oder nur schwer lesbar waren.

Die externe USB-Festplatte

Datensicherung über UBS auf externe Festplatte

Dieses Konzept ist das einfachste Sicherungskonzept und auch das günstigste. Eine externe USB-Festplatte wird an den Rechner angeschlossen und über Datensicherungsprogramme (bei Windows gibt es z.B. integriert die Windows-Sicherung “Sichern und Wiederherstellen”) oder über Kopieren und Einfügen die Daten gesichert. Ich empfehle hierbei die Nutzung von Datensicherungsprogrammen, denn diese legen meist auch ein Abbild des kompletten Datenträgers oder aber zumindest ein Abbild der wichtigsten Systemdateien und Programme mit an. Damit entfällt das lästige Neu-Aufsetzen des Rechners wenn eine Festplatte den Geist aufgeben sollte. Bei dieser Methode ist der Preis gering, aber die notwendigen händischen Eingriffe sind etwas höher. Die Festplatte wird ja nicht jederzeit mit dem Rechner verbunden sein, daher muss sie zur Sicherung immer erst angeschlossen werden. Bereits diese Hürde hindert manches mal schon an einer regelmäßigen Sicherung der Daten. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt an dieser Methode ist die Geschwindigkeit des Datentransfers. Üblicherweise haben gerade ältere Geräte keinen USB 3.0 Anschluss und die günstigen externen Festplatten haben ebenfalls nur USB 2.0. Die Geschwindigkeit des Datentransfers führt dazu, dass die Komplettsicherung eines Rechners mindestens bei der Erstsicherung länger dauert.

In vielen Fällen habe ich erlebt, dass die Festplatte im Notebook zu klein wurde und dann Daten auf der externen Festplatte abgelegt wurden, die auf dem Notebook nicht mehr gespeichert waren. Damit ist die Datensicherheit nicht mehr gegeben, denn die Daten liegen dann nur noch auf der externen Festplatte. Möchte man Daten wirklich auf die externe Festplatte legen, dann sollte man darauf achten, dass die externe Festplatte aus zwei internen Festplatten besteht, die sich gegenseitig synchronisieren (RAID).

Die externe Netzwerkfestplatte

Datensicherung über Netzwerk auf externe Festplatte

Das Prinzip ist ähnlich wie bei der USB-Festplatte, jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Netzwerkfestplatte nicht direkt mit dem Laptop verbunden ist, sondern über den Router mit dem Rechner verbunden ist. Dort stört sie meist keinen und ist deshalb im Netzwerk dauerhaft verfügbar. Die Hürde, die Festplatte erst anschließen zu müssen zu Sicherungszwecken ist damit nicht mehr existent. Was die Geschwindigkeit angeht, so hängt das stark vom verwendeten Netzwerktyp ab. Falls man wirklich viele Daten über das Netzwerk sichern möchte, so kommt man um ein schnelles Kabelnetzwerk nicht drumrum. Hier mal eine kleine Übersicht:

Netzwerktyp Geschwindigkeit
Älteres Funknetzwerk (802.11g) 54 MBit/s
Älteres Kabelnetzwerk (CAT5) 100 MBit/s
Neueres Funknetzwerk (802.11n) 300 MBit/s
Neueres Kabelnetzwerk (CAT6) 1000 MBit/s
Vergleichswert USB 2.0 480 MBit/s
Vergleichswert USB 3.0 4000 MBit/s

Bei den angegebenen Werten, handelt es sich um theoretisch erreichbare Maximalwerte. Die tatsächlichen Werte sind abhängig von der verwendeten Hardware. Ich behaupte mal, dass die Netzwerktransferraten bei Kabelnetzwerken meist so bei 85 – 95% des theoretischen Maximums liegen, bei Funknetzwerken deutlich niedriger (je nach Abstand zur Funkstation) und die USB Werte bei ca. 80%. Wichtig ist natürlich auch die Geschwindigkeit der zu sichernden Festplatten bei der Betrachtung der Gesamtgeschwindigkeit.

Die Werte zeigen jedoch deutlich, dass die Datensicherung über WLAN in jedem Fall die langsamste Lösung ist. Eine Netzwerksicherung sollte meiner Meinung nach immer über ein Datenkabel erfolgen um zufriedenstellende Ergebnisse zu erreichen.

Auch hier gilt, was ich bereits im USB Abschnitt geschrieben habe: Wenn man nur Daten sichern möchte, so reicht eine Festplatte aus, wenn man Daten im Netzwerk ablegen möchte, um die Festplatte zu entlasten, so sollte die Netzwerkfestplatte intern aus zwei Festplatten bestehen, die synchronisiert laufen (RAID).

Meine persönlichen Erfahrungen mit Netzwerkfestplatten sind eher negativ. Im günstigen Preissegment sind sehr günstige Komponenten verbaut, die bezüglich der Geschwindigkeit weit entfernt vom theoretisch maximalen Wert liegen. Zudem habe ich bei einer externen Netzwerkfestplatte erlebt, dass die Spiegelung immer wieder neu hergestellt werden musste, Festplatten nicht erkannt wurden, … Ich persönlich rate daher von einer solchen Datensicherungsmethode ab.

Der Home-Server

Datensicherung über Netzwerk auf einem Server

Für viele scheint diese Lösung bereits übertrieben und unnötig. Nachdem ich nun über zwei Jahr einen Home-Server betreibe kann ich diese Variante jedoch nur sehr empfehlen. Ein Home Server ist in der Erstanschaffung wesentlich teurer als die anderen aufgezeigten Möglichkeiten der Datensicherung. Jedoch macht sich der erhöhte Anschaffungspreis über Laufzeit meiner Meinung nach bezahlt. Ich selber nutze den Windows Home Server, weil der am besten in meine Netzwerkumgebung passt. Windows Home Server ist ein Betriebssystem von Microsoft, welches auf jedem handelsüblichen PC installiert werden kann. Es gibt zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten dafür, bis hin dazu, dass der Server nur dann läuft, wenn Geräte im Netzwerk aktiv sind, oder nur zu vorgegebenen Uhrzeiten nach einem speziellen Kalender usw. Die Einrichtung ist sehr einfach und der Home Server benötigt lediglich Netzwerk und Strom.

Ich schätze am Home Server, dass ich diesen mit weiteren Festplatten erweitern kann, wenn der Speicherplatz eng wird, ohne gleich wieder ein ganzes System mitzukaufen, wie das bei Netzwerkfestplatten der Fall ist (Platte + Gehäuse + Netzstecker + Betriebssystem auf der Platine, meist irgendein Linux). In meinem Home Server sind inzwischen aus unterschiedlichen Gründen sieben Festplatten eingebaut. Diese Lösung bietet weitere Anwendungsfälle über die normale Datensicherung hinaus. Aber auch die Datensicherung ist sehr charmant ausgeführt. Über das schon angesprochene Add-In zum Strom sparen kann man den Server so konfigurieren, dass er zu einer festgelegten Uhrzeit aufwacht, die zu sichernden Rechner weckt, eine Sicherung dieser Rechner anfertigt und danach die Rechner und anschließen sich selber wieder schlafen legt. Damit ist sichergestellt, dass jede Nacht eine Sicherung angelegt wird. Mein in der Einleitung angesprochener Festplattenausfall war somit nicht weiter tragisch, denn ich habe einfach das Backup der letzten Nacht eingespielt und war bereits nach zwei Stunden Wartezeit wieder arbeitsfähig. Ein Server macht besonders dann Sinn, wenn man eben nicht nur eine Datensicherung betreiben möchte, sondern weitere Anwendungsfälle hat oder plant. Zur Verdeutlichung folgendes Schaubild:

Darstellung eines Heimnetzwerkes in der Ausbaustufe

Dargestellt ist hier ein größeres Netzwerk, wie es heute jedoch nicht unüblich ist. Alle gezeigten Geräte sind über Netzwerk verbunden: Smartphone, Laptop, Festrechner, WLAN-Radio und Server. Der Server bildet hierbei die zentrale Datenablage, das heißt, das auf dem Laptop und dem Festrechner nur das Betriebssystem und die Programme installiert sind. Alle persönlichen Daten liegen auf dem Server. Wegen dieser zentralen Datenablage können alle Geräte auf die Daten zugreifen: An allen Geräten kann ich die gleiche Musik abspielen, die gleichen Fotos zeigen und die gleichen Videos ansehen. Ich kann sogar an einem Gerät beginnen und an einem anderen Gerät weitermachen. WLAN-Radios setzen oftmals voraus, dass ein zentrales Gerät zur Verfügung steht, welches die Musikbereitstellung vornimmt. Wenn dafür nicht immer extra ein Gerät angeschaltet werden soll, fällt die erste Lösung mit der USB-Festplatte dafür schon einmal weg. Außerdem setzen WLAN-Radios häufig voraus, dass auf dem Gerät, wo die Musikdaten liegen ein vom Hersteller erstelltes Programm installiert wird, damit das WLAN-Radio die Suche nach bestimmten Alben, Künstlern oder Genres ermöglichen kann. Dies ist ohne ein spezielles Programm auf dem Musikspeicher nicht möglich. Damit ist eine Netzwerkfestplatte aber auch aus dem Spiel, denn auf Netzwerkfestplatten können keine Programme installiert werden. Für diesen Anwendungszweck bleibt also nur ein zentraler Server.

Der Home Server bietet gegenüber den anderen Lösungen also viele Vorteile, die über eine reine Datensicherung hinausreichen. Wer also weitere Netzwerkkomponenten plant, sollte sich frühzeitig für eine Komplettlösung entscheiden, die alle Möglichkeiten für die Zukunft offen hält.

Wichtige Voraussetzung für die Nutzung eines solchen Aufbaus ist jedoch ein schnelles Netzwerk. Bei mir kommt als Kabelnetzwerk CAT6 zum Einsatz mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 950 MBit/s. Für den Laptop, der über WLAN ans Netzwerk geht habe ich noch ein WLAN 802.11n Netzwerk eingerichtet, welches jedoch nur auf ca. 160 MBit/s kommt.

Katastrophenschutz

Die zweistufige Sicherung

Die beste Sicherung nützt natürlich nichts, wenn im Haus ein Brand ausbricht oder eine Überschwemmung oder Erdbeben das Haus zerstört. Auch Diebstahl kann dafür sorgen, dass sowohl Rechner als auch Sicherung nicht mehr existent sind. In solchen Fällen ist es sinnvoll ein zweites Backup zu haben, welches nicht im gleichen Haus liegt, sondern an einem Ort, den man häufig besucht, der jedoch auch weit genug vom eigentlichen Wohnort entfernt ist. Günstige Orte für solche Dinge sind z.B. das Haus von Freunden / Familienangehörigen oder die Arbeitsstelle (wenn vom Arbeitgeber erlaubt).

Für solche Zwecke wird häufig auch ein Sicherung der Daten im Internet empfohlen. Es gibt bereits einige Dienstleister, die solche Datenspeicher zur Verfügung stellen. Ich persönlich halte das noch für zu früh und zu teuer wenn man mehr als den Gratisspeicher benötigt. Sicherlich wird die Zeit kommen, in der die Internetverbindungen flächendeckend schnell genug für große Datentransaktionen sind und auch der Speicher im Internet nicht viel kostet, jedoch rate ich aktuell noch von einer solchen Lösung ab.

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