Wann lohnt sich der Ruhezustand?
Das war meine Ausgangsfrage, die ich versuchte zu beantworten. Es ging mir darum, das Maximum aus meiner Akkulaufzeit herauszuholen. Daher fragte ich mich, ob es sinnvoll ist, den Rechner nur in den Standby (“Energie sparen”) zu versetzen, oder ab welcher Zeitdauer der Ruhezustand sinnvoll ist.
Die grundsätzliche Überlegung: Beim Ruhezustand braucht der Rechner ja doch einige Zeit bis er aus ist und dann wieder einige Zeit, bis er betriebsbereit ist. Während dieser Zeit kann das Gerät nicht genutzt werden und verbraucht trotzdem Energie. Nutzt man hingegen den Energiesparmodus, dann ist der Rechner wesentlich schneller wieder betriebsbereit, verbraucht aber während des Energiesparmodus mehr Energie als im Ruhezustand.
Um diese Frage zu beantworteten, besorgte ich mir ein Strommessgerät, dass zwischen Steckdose und Gerätestecker gesteckt wird. Es misst dann beispielweise die aktuell aufgenommene Leistung, oder die verbrauchte Leistung über die gemessene Zeit. Ich habe nun also einige Messungen durchgeführt:
- Wie lange braucht der PC zum normalem Hochfahren und später wieder Runterfahren?
- Wie lange braucht der PC zum Wechsel in den Ruhezustand und zur Wiederherstellung?
- Wie viel Leistung wird in den Zuständen “Energie sparen”, “An” und “Aus” aufgenommen?
Grundsätzlich muss man vorweg noch sagen, dass es beim Modus “Energie sparen” einen großen Unterschied gibt. Ein Rechner verfügt über mehrere Energiemodi, die mit S0 bis S5 durchnummeriert sind. Wichtig zum Verständnis:
- S0: Der PC ist angeschaltet und läuft mit voller Leistung.
- S1: Der PC ist im ersten Energiesparmodus. Viele Geräte laufen voll weiter (insbesondere das Netzteil) und verbrauchen weiterhin viel Strom. Der PC ist jedoch nahezu sofort wieder betriebsbereit.
- S3: Der PC ist in einem tieferen Energiesparmodus. Nahezu alle Geräte sind abgeschaltet und lediglich das Netzteil bezieh auf der 5V Leitung noch Strom um auf Benutzereingaben reagieren zu können. Der PC braucht wenige Sekunden bis zur vollständigen Betriebsbereitschaft.
- S5: Der PC ist ausgeschaltet. Auch hier wird das Netzteil mit wenig Energie versorgt um z.B. auf die Betätigung des An/Aus Tasters durch den Benutzer reagieren zu können.
Voreinstellung ist bei den meisten Rechnern S1 als Energiesparmodus. Dies ist jedoch energietechnisch nicht sinnvoll. Das Problem am S3: Alle Hardware muss S3 als Energiesparmodus unterstützen. Daher gehen die Hersteller auf Nummer Sicher und stellen S1 als Standard ein. Ich habe bei mir einfach auf S3 umgestellt und ausprobiert und alles funktioniert. Die Umstellung muss im BIOS vorgenommen werden. Außerdem habe ich den Hybriden Stand-by-Modus ausgeschaltet, denn dieser ist eine Kombination aus Ruhezustand und Energiesparmodus, somit verbraucht er zusätzliche Energie.
Nun zur Messung. Die Messung habe ich mit zwei unterschiedlichen Geräten gemacht. Das erste Testgerät hatte folgende Konfiguration:
- Betriebssystem: Windows Vista Business 64Bit
- CPU: AMD Athlon AM2 BE-2300 1,9GHz (spezieller Stromsparprozessor mit 45 Watt Leistungsaufnahme)
- Grafikarte: NVidia Geforce 8500 GT
- Arbeitsspeicher: 4 GB
- Netzteil: 420 Watt
- Festplatten: 2×640GB im RAID 0
- Bildschirm: 22” Samsung SyncMaster 226BW
Damit sollten die wichtigsten Verbraucher beziffert sein. Als zweites Testgerät diente mein Netbook, ein ASUS eeePC 1000H. Er hat folgende Eckdaten:
- Betriebssystem: Windows 7 RC 32Bit
- CPU: Intel Atom 270 (sehr sparsam in der Energieaufnahme, ich glaube die liegt noch unter 5 Watt)
- Grafikchip: Intel GMA 945 Express
- Arbeitsspeicher: 2 GB
- Netzteil: 36 Watt
- Festplatte: 1×160GB
- Bildschirm: internes Display
Folgende Daten konnte ich für die Leistungsaufnahme messen. Beim Rechner habe ich die Daten für S1 und S3 gemessen, um den Unterschied zu verdeutlichen. Beim Notebook war eine Umstellung im BIOS nicht möglich. Ich nehme aufgrund der aufgenommenen Leistung an, dass er daher mit dem S3 läuft. Für den Desktoprechner gebe ich in Klammern den Monitorverbrauch an.
| Desktoprechner | Netbook | |
| S0 (An) | 117 Watt (37 Watt) | 28 Watt |
| S1 (Energie sparen) | 54 Watt (12 Watt) | nicht möglich |
| S3 (Energie sparen) | 30 Watt (12 Watt) | 9 Watt |
| S5 (Aus) | 22 Watt (6 Watt) | 9 Watt |
Die Zeiten für das Hoch- und Runterfahren, bzw. den Ruhezustand (An und Aus) waren wie folgt:
| Desktoprechner | Netbook | |
| Hoch- und Runterfahren | 102 Sekunden | 122 Sekunden |
| Ruhezustand (An & Aus) | 154 Sekunden | 55 Sekunden |
Mit diesen Messungen kann nun der Stromverbrauch gemessen werden und darüber die Zeit, in der das Gerät im Stand-by-Modus die gleiche Energie verbrauchen würde.
Einmal Ruhezustand beim Desktoprechner entspricht 10 Minuten Stand-by-Zeit S3 oder 5,5 Minuten Stand-by-Zeit S1. Einmal Hoch- und Runterfahren beim gleichen Gerät sind knapp 6,5 Minuten Stand-by-Zeit S3 oder 3,5 Minuten Stand-by-Zeit S1. Beim Netbook sind die Stand-by-Zeiten noch kürzer: Ruhezustand entspricht 3 Minuten Standby und Hoch- und Runterfahren 6,5 Minuten.
Diese Zeiten haben mich dann doch etwas überrascht. Energietechnisch ergibt sich daraus die Faustregel, dass es sich ab 10 Minuten lohnt, das Gerät in den Ruhezustand statt in den Standby (“Energie sparen”) zu versetzen.
Tags: Akkulaufzeit, Asus, eeePC, Energie sparen, Energiemodi, Energieverbrauch, Netbook, Ruhezustand, S0, S1, S3, S5








Bei der Überschrift habe ich mich zuerst gefragt, warum du dich nun auf einmal mit dem Rentnersein beschäftigst…
Vielen Dank für deine Forschung und die interessanten Ergebnisse! Ich bewundere deinen Forschungsdrang immer wieder
Rentnersein… Über deinen Kommentar habe ich herzlich gelacht. Vielen Dank dafür.
Sehr interessanter Artikel,
hat mich echt überrascht!
Nunja, ich nutze mein Netbook (Samsung N140, 1 Woche alt) sowieso nur in der Uni, somit ist es hinfällig für mich. Dieses Gerät hat einen so genialen Akku, dass ich selbst jetzt bei 41% Restakku noch über 4 Stunden Laufzeit habe.
Werde es dennoch in Betracht ziehen, in Vorlesungen, wo ich es nicht brauche, in den Ruhezustand zu setzen
Weiter so!
MfG
Benjamin Naas