Open Source DVD bringt dem Durchschnitt nichts

Ich muss mal wieder einen Mecker-Artikel schreiben. Über den Artikel Open Source verbessert Windows 7 von Thomas Lutz kam ich auf den Artikel von PC Welt, der unter der gleichen Überschrift angepriesen wurde. Ich würde sagen, dass mal wieder Leute schreiben, die den Durchschnittsanwender und auch das neue Windows schlecht kennen.

Insgesamt werden viele Open Source Anwendungen genannt, die mehr oder weniger bekannt sind. Den Beginn macht die Kategorie Datenschutz. Gleich das erste Programm ist für die Verschlüsselung gedacht: Ganz ehrlich: Welcher Durchschnittsanwender verwendet zu Hause eine Verschlüsselung? Es gibt Gründe, warum Microsoft das nicht in jeder Windows 7 Version anbietet. Der Heimanwender merkt die Verschlüsselung doch nur darin, dass sein PC für alle Dinge länger braucht.

In Teil 2 geht es dann um System Tools. Ich glaube nicht, dass der Durchschnitt mehr braucht als eine einfache Zip-Komprimierung. Unter dem Stichpunkt brennen wird sogar suggeriert, dass Windows keine ISO Images brennen könnte. Seit Windows 7 ist das aber sehr einfach von Haus aus möglich. Und mehr als Brennen möchte der Durchschnittsnutzer mit ISO-Images ja dann doch nicht, oder?

Unter der Sektion Video & Co bearbeiten meint der Autor, dass der Windows Media Player “nur” gängige Formate abspielt. Ganz ehrlich: Der Durchschnitt braucht nicht mehr als die gängigen Formate. Obwohl ich relativ viele Videos schaue, reicht für mich der Media Player vollkommen aus. Dazu kommt, dass kein externes Programm so gut in das System integriert ist, wie der Media Player. Nutzt man ihn, so kann man alle Multimediainhalte in gleicher Form über das Media Center und Media Center Extender im ganzen Haus verteilen. Wie macht ich das, wenn ich den im Artikel empfohlenen VLC nutze? Ganz einfach: Gar nicht. VLC kann sehr viel und er war mehr als ein Jahr mein Standardvideoplayer, aber er ist absolut nicht ins System integriert. Ein Beispiel: Wenn ich mir ein Video am Rechner anschaue und dann ins Wohnzimmer wechsel kann ich das Video ohne Spulen nicht exakt an der Stelle fortsetzen, wie das beim Media Center der Fall ist. Das nenne ich eine vernünftige Integration ins Gesamtsystem. Beim VLC wird man so etwas vergeblich suchen. Auch das Streamen in andere Räume oder übers Internet ist eher Fehlanzeige. Für den Durchschnitt empfiehlt es sich hier doch eher den Windows Media Player zu nutzen…

Dann geht es um das Mailen und Surfen. Auch hier frage ich mich welcher Durchschnittsbenutzer mit dem Begriff FTP überhaupt etwas anfangen kann, geschweige dass er Webspace hat, wo er etwas mit dem FTP Programm hochladen könnte.

Insgesamt sind viele Dinge in dem Artikel absolut überflüssig und bringen den Benutzer dazu, noch mehr Programme zu installieren, die er dann noch weniger braucht, die aber den Rechner noch langsamer machen. Ob das eine Verbesserung für Windows ist, lass ich mal offen. Meiner Meinung nach sollte man sich gut überlegen, ob man Ersatz für bestimmte Programme braucht oder ob es die Systemtools auch tun. Der Durchschnittsbenutzer ist durch diese DVD wohl eher dazu verleitet viel zu viele der 400 Programme zu installieren und viel zu wenig davon wirklich zu benutzen.

Nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts gegen Open Source, aber man sollte sich gut überlegen, ob das der Anwender auch wirklich braucht. Ein Artikel darüber ist dann gut, wenn der Nutzer im Mittelpunkt steht und nicht die Software.

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Ein Gedanke zu “Open Source DVD bringt dem Durchschnitt nichts

  1. Sie sprechen einen sehr guten Punkt an: Den Anwender in den Mittelpunkt stellen. Das sehe ich generell als einen systemisch begründeten Schwachpunkt bei Open Source Entwicklungen an, da – volkswirtschaftlich betrachtet – ohne den Faktor Preis auch keine automatische Koppelung zwischen Angebot und Nachfrage am Markt hergestellt wird. Während in der kommerziellen Wirtschaft diese Verbindung über den Warenpreis hergestellt wird, wird in der Open Source Welt oft vielfach redundant entwickelt und gleichzeitig vieles, was der Markt benötigen würde, nicht angeboten. Systematische Marktforschung und Innovationsmanagement ist hingegen nicht billig und bleibt daher weitgehend kommerziellen Anbietern vorbehalten. Vermutlich werden auch viele Programmierer von Anwendungen der erwähnten Open Source DVD für Windows gedacht haben, dass dies die Welt unbedingt benötigt – was natürlich nicht unbedingt sein muss … ;-)

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