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Die Wii an einen TFT anschließen

28. April 2008 1,814 views 2 Kommentare

Ich habe mit dem Thema ja noch nicht abgeschlossen. Da meine Wii immer noch nicht ohne Umweg über den PC an meinem TFT läuft, habe ich mich heute mal ein wenig im Internet schlau gemacht. Dabei habe ich in einem Forum einen Beitrag gefunden, der so gut und so ausführlich war, dass ich ihn hier in voller Länge zitieren möchte. Geschrieben wurde er von einem Fuzzy, der seit über einem Jahr in dem Forum nicht mehr aktiv war. Ich hoffe er ist mit einer Veröffentlichung hier einverstanden. Der Beitrag stammt vom Januar 2007:

Erstmal: Ich bin kein Experte. Alles was hier steht weiß ich von Freunden, Foren, Google, Wikipedia und sonstige Internetquellen. Das heißt ergo, dass der Text einige Fehler enthalten könnte. Falls ihr einen entdeckt, bitte kurz Bescheid sagen, am Besten mit Quellenangabe.

1. Grundlagen

Prinzipiell nimmt das Bild folgenden Weg vom Gerät zum Bildschirm: Das Gerät sendet ein Ausgangssignal [A], das über ein Kabel übertragen wird [B], welches dann schließlich von irgendeinem Darstellungsgerät [C] angezeigt wird. Hier sollte euch vor allem klar sein, dass von A nach C der schwächste Teil die Qualitätsobergrenze legt! Z.B.: Ein super Signal von einer Top DVD und ein extrem teurer LCD Fernseher bringen alles nichts, wenn ihr ein schlechtes Kabel verwendet!

zu [A]: das Ausgangssignal wird (u.a.) durch Auflösung, Zeilendarstellungsverfahren und Wiederholungsrate spezifiziert. Anders als bei PCs gibt man die Auflösung hierbei anhand der horizontalen Zeilen an. 480 Zeilen entspricht dabei der Auflösung 640×480 (4:3). 720 Zeilen ist üblicherweise 1280×720 (16:9). Hinsichtlich Zeilendarstellung unterscheidet man progressiv (Vollzeilendarstellung) und interlaced (Halbzeilendarstellung). Bei progressiv werden bei jeder Bildwiederholung alle Zeilen dargestellt. Bei interlaced werden im ersten Bild alle ungeraden, im zweiten alle geraden dargestellt. Die Wiederholungsrate gibt an, wie oft innerhalb einer Sekunde ein Bild angezeigt wird. 50Hz sind ergo 50 Bildwiederholungen in der Sekunde. 50Hz interlaced wären also nur 25 Vollbilder. Setzt man das alles zusammen, ergibt sich eine übliche Konvention der Beschreibung des Ausgangssignal. Z.B.: 480i60 = 640×480 interlaced 60Hz (=NTSC Fernsehstandard) oder 576i50 = 768×576 interlaced 50Hz (=PAL Fernsehstandard).

zu [B]: Erstmal werden bei Kabeln zwei prinzipielle Übertragungarten unterschieden: analog und digital. Digital ist hier überlegen, weil (nahezu?) verlustfrei. Bei analoger Übertragung spielt die Kabelqualität eine große Rolle (das weiß z.B. jeder Lautsprecherfan, der Unsummen in daumendicke Monsterkabel investiert).
Dann ist die Kodierung des Signals von Interesse. Ohne Experte zu sein, dürfte die Kodierung regeln, welche Bildinformation wie auf dem Kabel kodiert, bzw. verteilt ist. Da gibt es z.B. YUV, YPbPr, RGB, RGBHV etc. Wie das im Einzelnen funktioniert, übersteigt meinen Horizont, wichtig ist vor allem: wenn das Darstellungsgerät mit der Signalkodierung nicht zurecht kommt, gibt’s Probleme! I.d.R. ist eine Signalkodierung an die Steckerart gekoppelt, daher gleich mehr.
Die Steckerart ist einfach die physische Ausgestaltung des Anschlusses. Da hätten wir dann z.B. Compositeeingang, Componenteneingang, D-Sub (üblicherweise als VGA bezeichnet), Scart, HDMI etc.
Für die Wii ergeben sich folgende relevanten Stecker/Signalkodierungskombinationen:

  • Composite – YUV
  • Scart – RGB (auch YUV)
  • Mini DIN – S-Video
  • Componenten – YPbPr (Componentenkabel werden oft inkorrekt als YUV bezeichnet!)
  • VGA (D-Sub) – RGBHV (auch RGB)

Jede dieser Kabelarten hat (bandbreitenbedingt) eine gewisse Maximalauflösung. Composite, Scart und S-Video machen schon bei 480i bzw. 576i Schluss. Das heißt, mit solch einem Kabel ist 480p einfach nicht möglich. Componenten und VGA Kabel sind zu deutlich höheren Auflösungen in der Lage. Neben der maximalen Auflösung ist natürlich auch die Bandbreite des Kabels und Signalkodierung Qualitätsentscheidend. Composite gilt als schlechteste Qualität (nur ein Kabelstrang, keine Signaltrennung). Besser ist S-Video (weil getrennte Farb/Helligkeitsübertragung). Noch einen Tick besser als S-Video ist RGB (wie der Name sagt Trennung der drei Farbteile). Deutlich besser wird die Qualität dann bei Componenten und VGA. HDMI oder DVI sind natürlich die besten Varianten, aber das ist nicht relevant für die Wii.

zu [C]:
Bei den Darstellungsgeräten könnte man natürlich Seiten über die Vor- und Nachteile füllen, daher hier nur das wichtigste:
Der klassische Röhrenfernseher stellt maximal 480i und 576i dar. Anschlüsse sind bei modernen Geräten i.d.R. Composite und Scart. Unterstütze Formate YUV und RGB. Es gibt mittlerweile sogar Röhrenfernseher, die HDTV untersützen, also auch 480p, 720p und 1080i.
LCD Fernseher haben eine native Auflösung (oft 720p). Andere Auflösungen werden interpoliert. Anschließen kann man i.d.R. Composite, Scart und Componenten. Es wird also YUV, RGB und YPbPr unterstützt. Ich nehme mal an, dass einige Geräte auch HDMI haben, aber wie gesagt: für Wii nicht interessant. Meines Wissens können LCD Geräte kein interlaced darstellen. Liegt ein interlaced Signal vor, wird das Signal vom Fernseher auf progressiv hochgerechnet. Dadurch haben schnelle Videospiele, die per Composite (also 480i oder 576i) angeschlossen werden oft noch höhere Verzögerungszeiten, weil das Bild noch hochgerechnet werden muss. Ich hab mal Guitar Hero auf der PS2 auf einem LCD Fernseher gespielt und fand die Verzögerungszeit schrecklich.
Mit Plasmafernseher kenne ich mich nicht besonders aus, aber bis auf die native Auflösung müsste das von den LCD Fernsehern in etwa auch gelten.
Dann hätten wir noch die Computermonitore. In Sachen Auflösung natürlich die Platzhirsche. Die brauchen als Signal RGBHV, können also eigentlich nicht von der Wii mit einem Signal versorgt werden. Auch stellen Monitore interlaced entweder sehr schlecht (unspielbar schlecht!) oder gar nicht dar. Daher können Monitore nur über Umweg benutzt werden (VGA Box oder TV Karte) und haben dann auch Einschränkungen.

2. Was soll denn dieser 480p-Fetischismus!?
Auch wenn die Auflösung unverändert ist, ist ein 480p60 Bild gegenüber 480i60 und 576i50 meiner Meinung nach deutlich besser und rechtfertig einen kleinen Zeit- und Geldaufwand. Interlaced neigt zu sehr starkem Flimmern. Außerdem fransen Kanten aus, das Bild ist unruhig. Bei Vollzeilendarstellung wirkt das Bild schärfer und flimmert nicht so. Insbesondere bei Text merkte ich große Unterschiede. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich lange einen Titel spiele, bei dem man konzentiert auf den Fernseher schauen muss (Herzteile suchen bei Zelda z.B.) dann dröhnt mir nach ein paar Stunden ordentlich die Birne. Bei 480p ist das nicht der Fall und ich habe tatsächlich mehr Spaß am Zocken!

3. Ausgangssignale der Wii
Die Europäische Wii kann drei Ausgangssignale liefern: 480i60, 576i50 und 480p60. Allerdings unterstützt nicht jede Software jede Auflösung! PAL Spiele unterstützen in jedem Fall 576i50, in den allermeisten Fällen 480i60 und bei aktuellen Wii-Titeln in vielen Fällen 480p60 (Von den Launchtiteln unterstützt wohl z.B. Rayman RR kein 480p, auch wenn ich das nicht selbst getestet habe!).
Während die Wiispiele also in den meisten Fällen 480i, 576i und 480p liefern, sieht das bei VC-Titeln und GC-Titeln mit 480p mau aus! VC Titel unterstützen nur 480i. Auch für Besitzer von PAL GC Spielen sieht’s düster aus: Zwar unterstützen einige NTSC GC Spiele 480p, aber aus unerfindlichen Gründen wird das von PAL Titeln nicht unterstützt (!).
Denkt auch daran, dass ihr in den Wii Systemeinstellungen die Auflösung wählen müsst. Also nicht Componentenkabel verwenden und dann vergessen, 480p einzustellen!
Die Signalkodierungen der Europäischen Wii umfassen YUV, RGB und YPbPr. Die XBox360 kann z.B. einfach mit einem VGA Kabel an den Monitor geklemmt werden, weil die XBox360 RGBHV ausgeben kann. So etwas ist bei der Wii nicht möglich, weil Computermonitor YUV, RGB oder YPbPr nicht verarbeiten können (Dazu in Teil 5 und 6 mehr).

4. Unterstützte Kabelarten der Wii
Für die PAL Wii werden drei Kabelarten unterstützt: Composite (YUV), Scart (RGB) und Componenten (YPbPr). Die NTSC Wii hat statt (!) RGB ein S-Videokabel. Die japanische Wii hat noch ein weiteres Kabel, aber puh, fragt nicht, was genau. Falls jemand nicht weiß, woran man die Kabel optisch unterscheiden kann: das im Lieferumfang enthaltene Kabel ist eine Compositekabel. Das Bild wird über einen Cinchstecker geliefert. Scartkabel sind die breiten Stecker mit schräger Kante und zwei Reihen vieler etwas breiterer Pins. Das Componentenkabel hält drei Cinchstecker fürs Bild bereit. RGB und Componentenkabel gibt’s von Nintendo und kosten 30 Euro. Gibt’s auch von Drittherstellern etwas billiger.
Per Composite oder RGB Kabel könnt ihr 480p natürlich nicht darstellen. Entsprechend ist, falls die Wii so angeschlossen ist, 480p als Darstellungsvariante nicht auswählbar.

5. VGA Box Grundlagen
Ziel der VGA Boxen ist es, ein von Computermonitoren verwertbares Signal zu liefern. Also progressiv und RGBHV-kodiert.
Die meisten VGA Boxen haben i.d.R. einen Compositeeingang und berechnen aus einem interlaced Signal ein progressiv Signal ("Deinterlacing"). Zusätzlich muss das Ausgangssignal auf RGBHV umkodiert werden ("Transcoding"). Boxen dieser Machart haben zwei zentrale Nachteile: 1. Da diese nur einen Compositeeingang haben, ist das Ausgangsignal nur 480i! Das zweite große Problem ist, dass das Deinterlacing dilettantisch programmiert wird und i.d.R. schlechte Qualität liefert. Erst Profi-boxen für 300 Euro aufwärts beherrschen ein solches Deinterlacing auf hohem Niveau. Der große Vorteil dieser VGA Boxen ist auf der anderen Seite, dass sie auch aus 480i 480p berechnen können, man also auch interlaced Software spielen kann.
Es gibt aber auch VGA Boxen, die einen Componenteneingang haben und keine Deinterlacerfunktion. Hier wird lediglich die Signalkodierung von YPbPr auf RGBHV vorgenommen. Ein 480i YPbPr Signal wird also als 480i RGBHV ausgegeben, ein 480p YPbPr als 480p RGBHV usw. Daher nennt man solche Boxen auch Transcoder. Der signifikante Vorteil dieser Boxen ist, dass ein echtes 480p Signal vorliegt und dieses sehr verlustarm weitergegeben wird. Der große Nachteil dieser Boxen ist, dass wenn das Signal nicht schon progressiv vorliegt ein Spielen nicht möglich ist, weil der Monitor entweder schwarz bleibt (CRT) oder sehr schlechtes Bild hat (manche TFT)

6. TV-Karten
Ich kenne mich nicht besonders damit aus, aber an sich macht die TV-Karte, wenn man sie mit 480i speist, nichts anders als die 1. Art der VGA Box. Eine gute TV-Karte macht das wahrscheinlich besser als eine billige VGA Box mit Deinterlacer. Da die europäische Wii kein S-Video Kabel anbietet, muss man auch hier auf Composite zurückgreifen. Außerdem hat man den Nachteil, dass der Rechner laufen muss, was bei einer VGA Box nicht der Fall ist.

7. Was ist denn nun das beste?
Ui, schwierig, weil sehr subjektiv. Aber ich würde folgende Empfehlungen machen:

  • A. Ihr seid extrem geizig und legt keinen besonderen Wert auf Bildqualität
    -> einfach weiterspielen, hauptsache Bild.
  • B. Ihr habt einen soliden Röhrenfernseher und legt Wert auf euer Bild.
    -> kauft euch ein RGB-Kabel. Der Unterschied ist nicht riesig, aber da. Und 20-30 Euro ist nicht die Welt. Diejenigen, die ihre Wii über die 2 Stereo Cinch in einem Verstärker hatten, sollten darauf achten, dass sie ein RGB-Kabel kaufen, das die zwei Audiostränge extra führt (was bei dem Nintendokabel z.B. nicht der Fall ist)
  • C. Ihr habt einen HDTV Fernseher
    -> Unbedingt ein Componentenkabel kaufen. Gerade bei HDTV-Fernsehern ist der Unterschied enorm zum Compositekabel. Und nicht vergessen, die Wii auf 480p zu stellen! Freut euch, bessere Bildqualität kitzelt ihr aus eurer Wii nicht raus. Und das sollte 20-30 Euro wert sein.
  • D. Ihr habt einen mäßigen Röhrenfernseher, einen ausgezeichneten TFT-Monitor, könnt auf GC und VC Spiele verzichten und scheut euch nicht, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen
    -> Holt euch eine Transcoder VGA Box und das Componentenkabel. Achtung!!! Bei meinem TFT ging das wunderbar, auf dem Samsung 930BF von MrWii nicht! Welche Monitore das nun können, konnten wir bis dato nicht ermitteln. Und: Wenn Spiele kein 480i unterstützen geht es nicht! Ich kenne die Mayflash YPbPr to RGBHV VGA Box und die VDigi VD-Z3. Die VDigi ist der Mayflash qualitativ überlegen und wesentlich schwieriger zu bekommen. Mit Componentenkabel seid ihr dann so bei 80-90 Euro.
  • E. Ihr wollt unbedingt auf dem Computermonitor spielen und wollt auf keinen Fall auf 480i Software verzichten
    -> Eigentlich würde ich sagen: Nehmt einen Fernseher! Aber für die, die aus irgendeinem Grund (besitzen keinen Fernseher?) unbedingt auf einem Monitor spielen wollen und nicht auf 480i Software verzichten können, gibt es die Möglichkeit, eine TV-Karte oder eine VGA Box mit Deinterlacer zu benutzen. Das Bild dürfte nicht besser sein als auf einem guten Fernseher per RGB, je nach Hardware in den meisten Fallen wahrscheinlich schlechter!

Zu Varianten D und E gibt es nur sehr wenige Erfahrungen, daher ist es mit einem gewissen Risiko verbunden, ob gerade eure Hardwarekombination vielleicht gerade nicht geht oder nur schlecht geht!
Qualitativ würde ich die Anschlussvarianten wie folgt einordnen, wobei ich allerdings nicht alle Varianten persönlich gesehen habe (Deinterlacer Box und TV Karte). Von oben nach unten wirds besser. Bitte kein Bashing, das ist meine Meinung und natürlich also solche sehr subjektiv! Innerhalb der Anschlussvarianten mit Composite/RGB bestehen keine großen Unterschiede. Der Sprung von Composite/RGB auf Componenten ist deutlicher, weil nur so 480p ausgegeben werden kann. Ich lege besonders Wert auf eine Darstellung ohne Verschwimmen und ohne Flimmern.

  • Schlechter HDTV per Composite
  • Schlechter SDTV per Composite
  • Schlechter SDTV per RGB
  • Monitor + VGA Box mit Deinterlacer per Composite
  • Monitor + TV Karte per Composite
  • Guter SDTV per Composite
  • Guter HDTV per Composite
  • Guter SDTV per RGB
  • Guter Monitor + VGA Box Transcoder per Componenten; kein interlaced möglich!
  • Guter HDTV per Componenten

Ich würde den guten Menschen so gerne verlinken, konnte aber nirgends einen Link zu seiner Seite oder so finden. Vielen Dank für deine Arbeit!

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