Die Welt ist eine Google?
In den letzten Tagen wurde ich zwei Mal (via martins privater blog und nodomain.cc) auf den Videobeitrag Die Welt ist eine Google aus der ZDF Mediathek aufmerksam gemacht. Daraufhin habe ich mir
heute beim Essen die 30 Minuten Zeit genommen und mir das Video angeschaut.
Was mir auffällt: Es bestätigt die Bedenken, die ich in letzter Zeit habe. Leider gehen viele Leute zu oberflächlich mit Google um. Das Problem dabei: Je mehr Google Dienste genutzt werden, desto mehr weiß Google über die einzelnen Personen. Dieses Wissen kann dazu verwendet werden, noch mehr Geld zu verdienen und damit noch mehr Dienste zu kaufen oder zu entwickeln, mit denen man noch mehr Daten bekommen kann, die sich wieder noch besser verkaufen lassen (in Form von Werbung z.B.).
Aufgeschreckt bin ich das erste Mal, als ich vor einigen Monaten von Google Health gehört habe. Dieser Dienst ist ein weiterer Dienst in der Folge von Dingen, die Google an Daten speichert. Ich möchte einmal ein Szenario aufzeichnen:
- Der erste Kontakt mit Google entsteht über die wirklich gute Suchmaschine. Hier fängt man an, Google kennen zu lernen und sich das Logo einzuprägen. Weil man gute Erfahrungen gemacht hat mit der Suchmaschine ist man durchaus positiv gesinnt, auch weitere Dienste zu nutzen. Was man nicht weiß, aber auch noch nicht schlimm klingt: Google speichert jede Suchanfrage für 18 Monate personalisiert. Danach unpersonalisiert.
- Der zweite Schritt führt dann meist zu Gmail, wo man sich ein Emailkonto erstellt. Gmail ist meiner Meinung nach der beste Onlinedienst für Emails. Problem dabei: In den bei der Anmeldung zugestimmten AGBs gibt man Google das Recht, die Mails mitzulesen und daraus zu lernen. Google hat bereits ein Patent angemeldet, dass es irgendwann erlauben soll, kontextbezogene Hilfestellung während dem Verfassen von Emails zu geben.
- Da man nun ein Google-Konto hat, kann man nun mit iGoogle die Suchseite personalisieren. Über Gadgets lassen sich schnell zusätzliche kleine Informationen auf der Startseite anzeigen. Diese verraten Google wiederum, was den Nutzer interessiert.
- Als nächsten Schritt entdeckt man evtl. Google Online Office. Mit dem Online Office kann man Text verfassen, Präsentationen entwerfen oder mit Tabellen arbeiten. Alle einfachen Funktionen sind enthalten und so kann dieses Online Office für den schmalen Geldbeutel als guter Ersatz für Microsoft Office dienen. Vorteil: bei 10 GB Speicher sind alle Officedokumente überall verfügbar, egal von wo man darauf zugreifen möchte.
- Mit dem Nutzen des Google RSS Readers weiß Google noch mehr über die Interessen des Nutzers. Über die abbonierten Seiten, bzw. deren Generalthemen und die Zuordnung der Seiten zu bestimmten Tags lässt sich sehr einfach ein Interessenprofil entwerfen.
Das sind die bekanntesten Dienste von Google. Wer weiß was noch alles kommt. Bereits zu diesem Zeitpunkt Google jedoch eine ganze Menge über den Benutzer. Und genau das ist das Problem.
Leider gibt es für dieses Problem keine einfache Lösung. Probiert man andere Suchmaschinen aus, so merkt man schnell, dass die Qualität der Suchergebnisse nicht mehr den Erwartungen entspricht. Für den Google RSS Reader gibt es ebenfalls keinen wirklichen Ersatz. Einzig das Online Office lässt sich mit Zoho sehr gut und durchaus besser ersetzen.
Generell lässt sich sagen, dass Daten nur dort wirklich sicher sind, wo man über den Speicher entscheiden kann. Ich bin dann gerne bereit etwas dafür zu zahlen. So habe ich kein Gmail Konto, sondern eine eigene Domain gemietet (die gibt es von guten Providern ab ca. 24 EUR im Jahr) und rufe die Mails mit Outlook ab. Das Office Packet habe ich erworben, damit liegen meine Dokumente auf meinem PC und ich weiß, was damit passiert und wer sie liest.
Zwei Dienste lassen sich also in meinem Spektrum noch nicht ersetzen: Der Google Reader und die Google Suche. Hoffentlich finden sich da auch bald sinnvolle Alternativen.
Wie viele Google Dienste nutzt du? Bist du dir bewusst, dass Unternehmen niemals ohne Grund kostenlos Dienste zur Verfügung stellen? Ein Unternehmen muss darauf ausgerichtet sein, Gewinn zu erwirtschaften. Im Film wird Google Health als nächstes "Daten-Striptease" bezeichnet. Wie weit wollen wir uns noch ausziehen?
Tags: Alternativen, Gmail, Google, Google Dienste, Health, iGoogle, Mediathek, Office, Online, personalisiert, Profil, RSS Reader, ZDF, Zoho








Als Gmail Nutzer bin ich mir der Speicherung der Daten durchaus bewusst. Ich benöige sie aber online. Am besten alle. Dies ist mir aus vielen (mal mehr mal minder schmerzlichen) Outlook-Erfahrungen inzwischen bewusst geworden. Die Oberfläche ist einmalig, die Suche/Filter ebenfalls.
Dass ich dazu passende Werbung angeboten bekomme finde ich amüsant, als halbwegs erfahrener Internet-User klicke ich dann natürlich nur bei interessanten Angeboten… und nur durch kontextbezogene Werbung kommt es überhaupt zu interessanten Angeboten!
Man sollte an dieser Stelle niemals vergessen, dass die Daten automatisch gescannt werden, ausschließlich zum Zwecke der Werbeeinblendungen, über die sich der Dienst finanziert.
Und ne andere Mail-Adresse für “brisanten” Mailverkehr schließt ein Gmail-Account ja net aus
Was GoogleDocs betrifft, so sind die Collaboration Features eine Super-Sache – Wenn aber jegliche Grundfunktionen einer Office-Suite (z.B. Nummerieren von Überschriften, Erstellen einer sinnvollen Gliederung mit Verzeichnissen, etc.) einfach fehlt, dann wird der Service eben nur in Ausnahmefällen genutzt, wo man diese teamwork Features benötigt.
iGoogle und Google-Reader sind auch ganz interessant, aber ungefährlich in meinen Augen. Da ist del.icio.us viel “gefährlicher”, und dies auch nur wenn man nun unbedingt rechtswidrige Sachen begehen möchte.
Das böseste Feature ist in meinen Augen die Historie der Websuche, diese ist seit ihrer Einführung bei mir deaktiviert.
Ebenso werde ich Google-Health niemals nutzen.
Insgesamt muss jeder selbst wissen, welche Daten er wo und wem zu welchem Zweck preisgeben möchte.
Aber da ja selbst Vater Staat jeden unter Generalverdacht stellt und Datensammelwut (Fingerabdrücke im Pass, elektronsiche Gesundheitskarte) an den Tag legt, vermag man hier wohl kaum auf Aufklärung seitens der Industrie zu hoffen.
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